DHZ Nr. 08 - 28. Februar 2002

Uli Meyer - Chefredakteur der DHZ Start der Herren-WM in Kuala-Lumpur


Als erste Stadt der Hockeygeschichte ist Kuala Lumpur zum zweiten Mal Ausrichter eines Herren-WM-Turnieres. Viel hat sich verändert seit 1975, von einigen Wolkenkratzern wie den Petronas-Twin-Towers einmal abgesehen. Litt die damalige dritte Weltmeisterschaft noch unter dem Umstand, dass der im März fast täglich niedergehende Monsunregen im Wechselspiel mit gnadenloser Hitze den Grasspielfeldern arg zusetzte und für mehrere Spielabbrüche und einen chaotischen Turnierverlauf sorgte, so kann der im Hockey seit über 20 Jahren übliche Kunstrasen den Wetterunbillen viel besser trotzen.

Auffallend unterschiedlich ist vor allem das öffentliche Interesse. Konnten die malaysischen Organisatoren vor 27 Jahren mühelos selbst ein großes, zur Hockeyarena umfunktionierendes Fußballstadion mit maximal 50 000 Zuschauern füllen, so scheinen sie diesmal große Probleme zu haben, die 17.000 Besucher fassenden Ränge des schmucken, aber viel kleineren Hockeystadions Bukit Jalil ausreichend zu besetzen. Die offizielle Eröffnungszeremonie am Sonntag Nachmittag fand vor wenigen hundert Schaulustigen statt und trug im Missverhältnis zwischen folkloristisch-pathetischen Darbietungen und praktisch leerem Stadion bisweilen peinliche Züge. Die Kameramänner des die Eröffnung live im TV übertragenden nationalen Fernsehsenders mussten trickreiche Einstellungen wählen, um Bilder von komplett leeren Teilbereichen der Tribüne zu vermeiden.
Das Eröffnungsspiel dieser 10. WM hatte Oberliga-Charakter, was den Besucherandrang anging: Die Mannschaften von Kuba und Südkorea spielten vor nicht einmal 100 Augenzeugen, nebenan auf Platz zwei waren es vielleicht 50 Zuschauer mehr, die England gegen Polen spielen sahen. Freilich muss die außergewöhnliche Anspielzeit von 8 Uhr morgens in Betracht gezogen werden. Aber selbst zur Primetime am Abend war das Stadion nicht voll. Malaysias WM-Auftakt gegen Australien wurde von knapp 10 000 Fans begleitet. Das Fernsehen strahlte diese Partie landesweit übrigens nicht live, sondern um einige Stunden zeitversetzt in voller Länge aus.

Der Kartenvorverkauf lief schleppend an, und selbst die Offerte, dass Einheimische die WM-Tickets mit 40 Prozent Ermäßigung beziehen können, hat die Nachfrage nicht wesentlich angekurbelt. So sollen bei Beginn der Weltmeisterschaft erst ein Fünftel der Eintrittskarten verkauft worden sein.
Dabei zogen die Medien trotz nahendem Formel-1-Zirkus (Kuala Lumpur ist am 17. März Ausrichter des zweiten Saisonrennens) gut mit, es wurde in allen großen Tageszeitungen seit geraumer Zeit umfangreich über die Hockey-WM berichtet. Auch das Straßenbild der Zwei-Millionen-Metropole weist mit zahlreichen Plakaten oder Bannern auf das WM-Geschehen in dem etwas außerhalb im Süden des Stadtzentrums gelegenen Hockey-Nationalstadion hin. Und der für Sport zuständige Minister Datuk Hishammuddin Hussein hat seine Landsleute angehalten, die Unterstützung der eigenen Mannschaft als „nationale Pflicht“ zu verstehen.

Die beste Werbung für mehr Zuschauer wären freilich viele Siege von Malaysia. Aber das ist im Gegensatz zu 1975 kaum zu erwarten. Damals schafften es die Einheimischen überraschend bis ins WM-Halbfinale und lösten eine landesweite Euphorie aus. Heute dagegen kämpft Malaysia nicht ernsthaft um den Titel, sondern höchstens um den Anschluss an die Weltspitze und um eine Endplatzierung im einstelligen Bereich. Daran kann auch Paul Lissek nichts ändern. Bei der 0:3-Niederlage gegen Australien musste der deutsche Malayen-Coach schon damit zufrieden sein, dass seine Schützlinge „Chancen hatten, ein paar Torchancen herauszuspielen.“

Und die deutsche Mannschaft? Sie hat bei ihren ersten beiden Auftritten bis zum DHZ-Redaktionsschluss vollauf überzeugen können. Beeindruckend, wie das Team gegen Argentinien nach 0:1-Rückstand noch zu einem deutlichen Sieg kam, zu dem alle 17 eingesetzten Spieler einer kontinuierlich sich durchwechselnden Mannschaft ihren Teil beitrugen. Das war über weite Strecken Angriffshockey wie aus dem Lehrbuch. So dürfte es ruhig weitergehen.

Aus Kuala Lumpur grüßt Ihr


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